Märkische Allgemeine Zeitung vom 27.04.17

Events Potsdamer Stadtmagazin Ausgabe April '17

Von Hartmut Helms: Mein Lebensgefühl Rockmusik; siehe Link unten

 

Ruben Wittchow – „Liebesmedizin“ (Tonpol/Wittchow 28.04.2017)                  13.04.2017

 

Ein Ich für mich

Der Pedant

Ich liebe mein Facebook

In diesen Tagen

Liebesmedizin

Nein Nein Nein

Problem, Problem

Fliegen

Nur was man will

Sein & lassen

Maulkorb

Stern

Ich pass auf dich auf

Bonus: Sommersong

 

Vor einigen Wochen hat sich einer bei mir gemeldet und gefragt, ob ich mir seine neuen Lieder einmal anhören und etwas dazu schreiben würde. Da mir RUBEN WITTCHOW kein Unbekannter ist, ich ihn auch persönlich kennenlernen durfte, habe ich spontan zugesagt. Beim ersten Hören der Scheibe ist mir dann wieder aufgefallen, dass zwischen Lieder hören, sich darüber eigene Gedanken machen und dann etwas Sinnvolles zu schreiben, ein kleiner aber feiner Unterschied besteht. Versucht habe ich es trotzdem:

In den letzten Monaten hatte Ruben Wittchow viel komponiert, hat im Studio experimentiert, gesucht und verworfen, hat Ideen umgesetzt und sie selbst mit verschiedenen Instrumenten eingespielt. Dabei hat er, unbewusst und ungewollt, Gefühle und Empfindungen eingefangen, die sich wohl am ehesten mit guter Laune, Sonne, Lebenslust und -leid sowie Liebe und die Nachwirkungen umschreiben lassen. Kein Wunder also, dass daraus ein Album mit dem beziehungsreichen Titel „Liebesmedizin“ geworden ist.

 

Gleich der Eröffnungssong deutet an, wohin die Reise gehen wird. „Ein Ich für mich“ lockt mit einer eingängigen Melodie und treibenden Rhythmen. Die Nummer geht ins Ohr, sie ist tanzbar, sie taugt fürs tägliche Radiohören und sie holt die Zielgruppe der Twens plus X mit ihren eigenen Gefühlen ab. Im Grunde sind damit alle weiteren Lieder der CD ebenfalls grob umrissen und dennoch entdeckt der interessierte Hörer jede Menge feiner Nuancen und Facetten. Den Klang vom Dudelsack zum Beispiel, der flockige Pianotupfer gekonnt miteinander verbindet, den Song letztlich bis zu einem wunderschön geschachtelten Chorus aufbauscht und dafür sorgt, dass sich der Ohrwurm „In diesen Tagen“ auch wirklich einprägen kann.

 

Ganz anders hingegen kommt der Titelsong „Liebesmedizin“ daher. Die vom Funkrhythmus getragene Gitarre und die prägnanten Synthi-Einwürfe wecken Erinnerungen an Zeiten, als die deutschsprachige Rockmusik wieder „neu“, knackig und schnörkellos auf den Punkt traf. So schreit denn der Künstler seinen Bedarf an „Liebesmedizin“ ganz unverblümt brachial hinaus, bis er endlich singt: “Bin wieder aufgetankt“. Einem ähnlichen Muster folgen ebenfalls „Nur was man will“ sowie „Maulkorb“ und liegen damit (vielleicht?) sogar voll im Trend bei jüngeren Pop-Musik-Konsumenten, die sicher eher Wert auf Tanzbarkeit und klare Worte, denn auf komplizierte Klanggewebe mit überladener Lyrik, legen. Genau so erfrischend locker und verständlich klingen auch diese Lieder.

 

Beim Hören fällt auf, dass gleich mehrere Songs Hinweise auf die musikalischen Vorlieben des RUBEN WITTCHOW andeuten. Sting und Police scheinen ganz weit vorn zu agieren, folgt man der Bass-Figur und der verschleppten Reggae-Rhythmik von „Fliegen“. Aber auch „Sein und lassen“ spielt mit einem solchen Bass und zitiert zudem aus einer Harmonieabfolge, die sicher einige wiedererkennen werden. Eine zweite (Frauen)Stimme im melodischen Duett verleiht diesem Song einen zusätzlichen Reiz. Ein wirklich schöner Pop-Song, von deren Sorte man noch einige auf dieser Scheibe entdecken kann. Zum Beispiel „Der Pedant“, ein Typ, der alles mit Bandmaß und Stoppuhr zu regeln versucht, wird hier mit Bläsern und einem Touch von Rockabilly leicht ironisch auf die Schippe genommen. Und wieder eine Facette mehr.

 

Abgerundet wird der Silberling mit einem sehr emotionalen Song, der zunächst ganz leise und intim daher kommt. „Ich pass auf dich auf“ geht fünf Minuten lang unter die Haut – „lese in deinen Spuren, was keiner versteht“ – und glänzt noch einmal mit einem tollen Chorus sowie intensivem Gitarrensolo. Danach gibt es als Bonus eine Neubearbeitung vom bisher nicht auf einem Silberling veröffentlichten „Sommersong“ plus einem guten Gefühl für Sonne und Meer sowie einer gehörigen Dosis Vorfreude auf den kommenden Sommer. Vielleicht sogar mit einem bunten Melodien-Mix aus „Liebesmedizin“.      

  

Die Lieder von RUBEN WITTCHOW haben hohen Wiedererkennungseffekt, sind prägnant und dennoch ein wenig schnoddrig, dem Jungvolk „Zwanzig plus“ auf das Maul geschaut und deren Alltag zwischen Liebe, Reisen und Facebook, teils ironisch und augenzwinkernd, abgelauscht. Da wird nichts versteckt oder vom Sound geglättet. Einige der Lieder haben gar die Tendenz, Gassenhauer werden zu wollen, obwohl sie oftmals auch kantig wirken. Was für ein reizvoller Gegensatz. Der Künstler selbst ordnet seine individuelle Art zu musizieren als Deutschpop ein. Viele der Lieder folgen klaren Strukturen und überraschen mit kurzweiligen Nuancen. Wer den Künstler einmal kennenlernen durfte, blickt in diese Lieder wie in dessen Spiegel. Schlicht, ohne banal zu sein, klare Formen und Sprache, ohne simple zu wirken, und mitunter Melodien, die sich förmlich zum Mitsingen anbieten. Die Platte ist ein Angebot, in dem sich viele schnell wiederfinden werden, wenn sie ähnliches erlebt oder schon einmal so gedacht haben. So klingt Pop-Musik, nicht Schlager(!), Lieder von einem, der zwischen Pop und Liedermachen pendelt und dennoch Seins macht, ohne wenn und aber. Die Parallelen zu Sting, Police und Keimzeit wirken nicht aufgesetzt. Es ist seine Art, Melodien zu schreiben, sie zu produzieren, aber auch live auf die Bühne zu bringen und zu interpretieren.

 

So farbenfroh und vielleicht auch ein wenig grell, wie die Lieder der CD „Liebesmedizin“, kommt auch die Verpackung daher. Beipackzettel mit witzigen Collagen und den Texten inklusive. Sehr ausführlich, mit vielen Informationen und liebevoll gestaltet. Nur der Hinweis auf die möglichen Nebenwirkungen ist nicht zu finden. Sei’s drum: Einfach rausnehmen, einlegen und mal schauen, was passiert, welche (Nach)Wirkungen sich einstellen werden. Viel Vergnügen (und gute Besserung)!

 

Homepage von Hartmut Helms

 

 

Märkische Allgemeine Zeitung vom 9.Dezember 2016

Potsdamer Neueste Nachrichten: 13.02.17

MAZ Rezension der "WEITES LAND" CD von 2008


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